Was ist der Mieterschaft der wgn wichtig? Wie lässt sich das Zusammenleben in den Siedlungen fördern? Die Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die Sozialkapitalstudie, welche die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag der wgn durchgeführt hat.
Genossenschaftliches Wohnen lebt von sozialen Beziehungen, von Vertrauen, Kooperation und vom Engagement der Bewohnerinnen und Bewohnern einer Siedlung. Dieser «unsichtbare Kitt», der die Gemeinschaft zusammenhält, wird als Sozialkapital bezeichnet. Es entscheidet darüber, ob man sich an seinem Wohnort lediglich aufhält oder ob man sich wirklich zugehörig und sicher fühlt. Für die wgn ist die Förderung dieses Kapitals eine Investition in die Zukunft: Ein starkes soziales Gefüge beugt Vereinsamung vor und führt durch ein besseres gegenseitiges Verständnis zu einer höheren Zufriedenheit.
Um eine fundierte Datenbasis zu erhalten, befragte die FHNW alle Mieterinnen und Mieter der wgn. Insgesamt nahmen 238 Personen an der Erhebung teil. Ziel war es, das Sozialkapital in fünf spezifischen Dimensionen – sogenannten «Bubbles» – messbar zu machen:
Bubble 1: Beziehungsqualität und Unterstützung
Bubble 2: Partizipation und Einfluss
Bubble 3: Aktivitäten und Anlässe
Bubble 4: Bauliche und räumliche Infrastruktur
Bubble 5: Quartier und wohnergänzende Nutzung
Im Zentrum der Studie stand die Untersuchung der Differenz zwischen der subjektiven Wichtigkeit eines Themas und dessen tatsächlicher Umsetzung im Alltag. Dieser Abgleich diente als direkter Gradmesser für den Handlungsbedarf in den Siedlungen.
Fokus auf Mitwirkung
Die Auswertung über die gesamte Stichprobe zeigt ein deutliches Bild: Während die bauliche Infrastruktur und die quartierbezogenen Aspekte (Bubbles 4 und 5) oft als sehr gut erfüllt wahrgenommen werden, sticht ein Bereich besonders heraus: die Partizipation. Hier ist die Lücke zwischen dem Wunsch nach Mitgestaltung und der erlebten Realität am grössten.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Aktivitäten in den Siedlungen fehlen. Die Studie unterscheidet klar zwischen Anlässen wie Grillfesten oder spontanen Begegnungen (Bubble 3) und der eigentlichen Mitwirkung an Entscheidungsprozessen (Bubble 2). Während das soziale Leben in vielen Siedlungen bereits gut funktioniert, besteht bei der Transparenz von Entscheidungen und den Mitwirkungsgefässen noch Entwicklungspotenzial. Als Best-Practice-Beispiel zeigt eine Liegenschaft allerdings sehr ausgewogene Verhältnisse. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind über fast alle Bereiche überdurchschnittlich zufrieden.
Untenstehend finden Sie eine Übersicht der Ergebnisse.
Schlüsse und nächste Schritte
Die Geschäftsleitung der wgn zieht aus den Ergebnissen wertvolle Kenntnisse für die künftige Bewirtschaftung. Überrascht hat die Verantwortlichen allerdings, dass die Mieterschaft bauliche Aspekte oder Gemeinschaftsräume weniger stark gewichtet als erwartet. «Wir rechneten mit einem deutlich grösseren Wunsch nach Begegnungszonen», erklärt Daniela Barragán, Bereichsleiterin Bewirtschaftung und Personal.
«Wir haben die Studie gemacht, um herauszufinden, wo wir eigentlich stehen», erklärt René Thoma, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Für die wgn ist das Ergebnis eine Handlungsanleitung. «Unser Ziel ist es, die Mitgestaltung und Eigeninitiative in den Siedlungen weiter zu stärken.»
Als nächsten Schritt bricht die wgn die Resultate auf die einzelnen Liegenschaften herunter. «Wir erstellen einen gezielten Massnahmenplan. So können wir dort ansetzen, wo der Handlungsbedarf am grössten ist.» Dabei geht es um bessere Informationskanäle, niederschwellige Mitwirkungsformate oder die Unterstützung von Bewohnergruppen. «Die Gesamtanalyse ist sehr wertvoll für uns.»
Lückenanalysen der Liegenschaften
Weitere Geschichten von der wgn
Alle Beiträge