Mit Raffi kommt die Fasnacht ins Rollen

wgn
Basel,
18.02.26
#Genossenschaftsleben #Wohnen #wgn

Raphael Fürbringer wohnt am Schorenweg in einer Liegenschaft der wgn. Am Cortège steht er als Waggis oben auf dem Wagen. Sein Herz schlägt für die Fasnacht. Doch was braucht es eigentlich, damit dieses imposante Gefährt der Sparse-Clique 1948 Jahr für Jahr durch die Basler Gassen rollt?

Wenn Raffi mitten im Fasnachtsgetümmel oben auf dem Waggiswagen steht und in die strahlenden Kinderaugen blickt, weiss der 37-jährige Basler: «Das sind genau die Momente, für die du Fasnacht machst.» Seit 20 Jahren ist der zweifache Familienvater Mitglied der Sparse-Clique 1948. Für sein Hobby gibt er alles. Denn bis der Waggiswagen am Cortège seine Runden ziehen kann, braucht es einen hohen Einsatz an Zeit, Schweiss, Geld und Durchhaltevermögen.

Raffi hat die Fasnacht im Blut. Da sein Vater bereits seit Jahrzehnten aktiv ist, hatten die «drey scheenschte Dääg» schon immer einen festen Platz im Kalender. Die Begeisterung sprang früh auf ihn über. Als Binggis war er Tambour in einer Fasnachtsclique. Doch dann stand die Wagenclique seines Vaters plötzlich nur noch zu viert da. «Es sieht einfach nicht gut aus, wenn auf beiden Seiten nur zwei Personen stehen», erklärt Raffi. Für ihn war es die Gelegenheit, die Seiten zu wechseln. Trommeln bereitete ihm keinen Spass mehr, Fasnacht machen wollte er aber unbedingt. Um die Wagenclique zu retten, sprangen Raffi und seine Schwester kurzerhand ein. Sie stieg später wieder aus, Vater und Sohn blieben dabei.

Heute ist die Sparse-Clique 1948 eine stabile Einheit von acht Männern. Mit dabei sind ein ehemaliger Schulkollege von Raffi sowie Freunde seines Vaters, von dem wiederum einer seinen Sohn mitgebracht hat. «Wir sind bunt durchmischt von jung bis alt», erklärt der Fasnächtler. «Es harmoniert wirklich gut, und wir haben es immer lustig miteinander.» Die Rollen in der Clique sind klar verteilt: Der Vater ist Obmann, Raffi kümmert sich um den Plakettenverkauf, ein weiteres Mitglied ist Kassier. Die Restlichen unterstützen dort, wo es sie braucht. Ebenfalls praktisch: «Wir haben Bürolisten und Handwerker unter uns. Dadurch ergänzen wir uns ideal.»

Wagenbau mit Herausforderungen

Für die Wagenclique startet die Fasnacht bereits nach den Schulsommerferien mit der sogenannten «Lämpensitzung», um einen groben Überblick zu erhalten. Als nächster Schritt folgt die Sujet-Sitzung. Alle sammeln Ideen und diskutieren sie gemeinsam. Ist es realistisch? Diese Frage steht immer im Raum. Dieses Jahr hat sich die Clique für das Sujet «800 Jahre Mittlere Brücke» entschieden. «Wir wollten ein Thema mit Baselbezug, das einfach umsetzbar ist», erklärt Raffi. Da die Clique keine Halle hat, findet der Wagenbau unter erschwerten Bedingungen auf einem Feld in Allschwil statt. «Auf dem Bauplplatz haben wir weder fliessendes Wasser noch eine feste Steckdose», erklärt der 37-Jährige. Mit Strom aus einem Aggregat und Hilfe eines Hellraumprojektors übertragen sie die Motive auf die Wände und malen sie aus. Diese Arbeit erfordert viel Herzblut, oft bis spät in die kalten Dezembernächte hinein. «Das Ziel ist jeweils, vor Weihnachten mit dem Wagen fertig zu sein. Das klappt aber nicht immer», schmunzelt der Fasnächtler. Auch finanziell verlangt das Hobby einiges ab. Pro Jahr investiert jedes Mitglied zwischen 900 und 1200 Franken für Material, Larven, Kostüme und Verpflegung. Um die Vereinskasse aufzubessern, arbeitet die Clique an einem Grillstand an der Riehener Fasnacht. Weitere Einnahmen stammen aus dem Plakettenverkauf und den Subventionen des Comitées. Zu den grössten Herausforderungen zählen aber Technik und Sicherheit. Der Wagen muss sich regelmässig der Prüfung von Bremsen und Hydraulik unterziehen. Der Traktor stammt von einem Bauernhof und steht unter dem Jahr im landwirtschaftlichen Einsatz.

Ganz ohne Pannen läuft es manchmal trotzdem nicht, wie Raffi verrät. Letztes Jahr blieb der Traktor mitten in der Stadt stehen. «Der Cortège war zu diesem Zeitpunkt zwar bereits vorbei, aber wir kamen kein Stück mehr vorwärts. Glücklicherweise war eine andere Wagenclique in der Nähe, die ein Überbrückungskabel im Traktor hatte.»

«Wenn am Morgenstreich das Licht ausgeht, bekomme ich immer Gänsehaut. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.»

Raphael Fürbringer

Die Fasnacht auf dem Körper verewigt

Dass Raffi durch und durch Fasnächtler ist, sieht man ihm buchstäblich an. Gleich zwei Tattoos mit Fasnachtsmotiven zieren seinen linken Arm. Einerseits eine Uhr, die vier Uhr zeigt. «Wenn am Morgenstreich das Licht ausgeht, bekomme ich immer Gänsehaut. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl», schwärmt Raffi. Das zweite Tattoo ist ein Waggiskopf. Dieser zeigt die Larve, aus der vor ein paar Jahren das neue das Logo der Sparse-Clique 1948 entstanden ist. «Die Fasnacht hat einen grossen Stellenwert in meinen Leben. Deshalb war für mich auch klar, dass ich sie irgendwann auf meinem Körper verewigen möchte», erklärt der Gebäudetechniker den Grund für seine Tätowierungen.  

Der schönste Moment kommt für ihn am Montagmittag kurz vor dem Cortège. «Wenn du weisst: Der Wagen ist beladen, jetzt fängt es an. Weil kaum hast du zwei Mal geblinzelt, ist die Fasnacht schon wieder vorbei.» Seit der 37-Jährige zwei Kinder hat, gibt es weitere Höhepunkte. «Als sie das erste Mal realisiert haben: Das ist der Papi auf dem Wagen, war das sehr schön.» Und wer weiss: Vielleicht zieht auch er einmal mit seinem Sohn und der Sparse-Clique 1948 durch die Gassen? Das wäre jedenfalls der grosse Wunsch von Raffi.

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