Ottavia Guadagnino kümmert sich als Bewirtschafterin der wgn um die Liegenschaftsverwaltung der Siedlungsgenossenschaft Freidorf in Muttenz. Sie steuert die Abläufe und hat immer ein offenes Ohr für die Mieterschaft. Zwei Mal pro Woche ist Ottavia im Sekretariat vor Ort. Wir haben ihr bei der Arbeit über die Schulter geschaut.
Es ist viel los im Sekretariat des Freidorfs an diesem Dienstagmorgen. Ständig klingelt das Telefon. Immer wieder öffnet sich die Tür, weil jemand aus der Siedlung mit einer Frage vorbeikommt. Mittendrin behält Ottavia Guadagnino die Ruhe. Die Bewirtschafterin der wgn betreut die über 200 Mietobjekte der Genossenschaft und hat jedes Detail im Kopf, während sie souverän die laufenden Geschäfte koordiniert.
Gerade bespricht Ottavia mit Daniel Schenk, dem Bauwart des Freidorfs, die anstehende Fenster- und Liftschachtreinigung in der Wohnalternative an der St. Jakob-Strasse. Das externe Gebäude ermöglicht es älteren Genossenschaftsmitgliedern, ihr zu gross gewordenes Haus für Familien freizumachen und dennoch Teil der Gemeinschaft zu bleiben. Da die Reinigungskräfte für ihre Arbeit den Lift beanspruchen, legt Daniel die zeitlichen Abläufe fest. «Ich kümmere mich um die Mieterinfo», sagt die Bewirtschafterin und notiert sich die Zeiten. Daniel schaut kurz auf und bringt es auf den Punkt: «Ottavia ist unsere Verkehrsministerin.»
Alles läuft über ihren Tisch
Bei Ottavia laufen alle Fäden zusammen. Das Sekretariat ist die Schaltstelle zwischen dem Vorstand der Genossenschaft, den internen Diensten sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern. Seit zehn Jahren betreut sie das Mandat für die wgn. Während des Gesprächs mit Daniel klopft es. Eine Mieterin tritt ein. Sie ist Mitglied der Kommission Terra, die sich im Freidorf um die Gärten kümmert. Sie benötigt einen Baumkatasterplan. Ottavia findet sofort eine Datei mit Fotos, sagt aber: «Ich muss zuerst mit dem Vorstand abklären, ob ich die Daten so weitergeben darf. Sobald der Entscheid da ist, informiere ich dich.»
Dieses Vorgehen ist typisch für ihre Zusammenarbeit mit dem Freidorf: Ottavia bereitet die Dossiers vor, der Vorstand entscheidet an den monatlichen Vorstandssitzungen, an denen sie auch teilnimmt – und übermittelt das Resultat. Das gilt auch für bauliche Veränderungen, denn im über hundertjährigen Freidorf kann man nicht einfach bauen, wie man will. Kaum ist die Mieterin weg, geht das Telefon. Jemand erkundigt sich nach dem Entscheid bezüglich des Antrags für ein Gartenhäuschen. «Ja, das Holzhaus für die Kinder ist genehmigt», bestätigt Ottavia freundlich.
Dass die Genossenschaft seit 2010 auf externe Expertise setzt, hat gute Gründe. «Es ist besser, wenn jemand Aussenstehendes die Mietverträge und Rechnungen verwaltet», erklärt Ottavia. «Schliesslich kann es vorkommen, dass jemand den Mietzins nicht rechtzeitig zahlen kann. Da ist es einfacher, wenn die Ansprechperson nicht gleichzeitig der direkte Nachbar ist.»
Zweimal pro Woche ist das Sekretariat besetzt. Besonders für die ältere Generation ist Ottavia eine wichtige Anlaufstelle. Mal ist ein Einzahlungsschein verloren gegangen, mal braucht es Hilfe bei einem Formular. «Es geht auch um den sozialen Kontakt», sagt sie.
Der Präsident und die Freiwilligenarbeit
Mitten in den Trubel platzt Reto Steib, der Genossenschaftspräsident des Freidorfs. Er ist gekommen, um den Brief für einen Mitarbeiter zu unterschreiben, der sein 20-jähriges Dienstjubiläum feiert. «Normalerweise geht das digital. Aber bei einem so wichtigen Ereignis möchte ich unbedingt von Hand unterschreiben.»
Die Themen, die er anschliessend mit Ottavia bespricht, sind komplex. Es geht um Budgets, rechtliche Fristen und anstehende Projekte. «Wir schätzen die fachliche Kompetenz der wgn sehr», sagt Reto Steib. «Wir konnten dadurch einen grossen Schritt vorwärts machen. Die ganze Liegenschaftsverwaltung ist viel professioneller geworden – besonders in mietrechtlichen Fragen.» Im Vorstand des Freidorfs sind alle ehrenamtlich tätig. «Umso mehr schätzen wir es, mit einem externen Partner zusammenzuarbeiten.» Denn: «Es ist nicht immer einfach, die Vorstandsarbeit und den Beruf unter einen Hut zu bringen», weiss der frisch pensionierte Genossenschafter aus eigener Erfahrung.
Ein Blitzschlag und eine Glocke
Wer das Sekretariat betritt, dem fällt sofort ein ungewöhnlicher Gegenstand ins Auge. In Ottavias Büro steht eine Kupferspitze. «Einmal schlug der Blitz in den Turm des Genossenschaftshauses ein», erzählt sie. Die Spitze wurde ersetzt, das Original landete als Andenken bei ihr. Es passt zur Atmosphäre dieses Ortes, die als eigenständige Einheit funktioniert. Das Freidorf hat sogar einen eigenen Friedhof, auf dem die Gründer bestattet sind. Und es gibt die Glocke des Genossenschaftshauses. Wenn jemand aus der Siedlung stirbt, schlägt sie acht Minuten lang. Zur Generalversammlung läutet sie zwölf Minuten lang.
Ein Job mit Herzblut
Das 70-Prozent-Pensum von Ottavia ist zum grössten Teil der Genossenschaft gewidmet. Während sie die Hintergrundarbeiten wie Korrespondenzen und Vertragswesen im Büro der wgn erledigt, ist sie im Sekretariat vor Ort die Allrounderin. «Es ist ein abwechslungsreicher Job», sagt sie strahlend. «Vom Visieren der Rechnungen am Computer bis zum direkten Kontakt mit den Mieterinnen und Mietern. Ich fühle mich geehrt, dass ich diese über hundertjährige Siedlung im Mandat betreuen darf.»
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