Bereits zum dritten Mal fand am Kronenweg 2-12 in Binningen ein Mieterfest statt. Wie vergessene Schlüssel zu mehr Zusammenhalt führen und warum manche Leute bereits seit 36 Jahren dort wohnen, erzählt dieser Abend.
«Also: Das Buffet ist bereit!», ruft René Thoma über den Garten der Siedlung Kronenweg in Binningen. Der Grillrauch zieht schon eine Weile über die Tische, um die sich Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser 2 bis 12 versammelt haben. Es ist der dritte Mieteranlass, seit die wgn die Liegenschaft 2023 übernommen hat.
Unter den Gästen sitzt Sarah, die erst seit vier Monaten am Kronenweg wohnt. Sie erzählt lachend von einer Situation, die für sie die Nachbarschaft hier auf den Punkt bringt: «Mein Freund hat bereits zwei Mal die Schlüssel vergessen. Und ich war nicht zu Hause. Aber immer hat ihm jemand aufgemacht, irgendeine gute Seele.» Genau das schätzt sie an ihrem neuen Daheim, weshalb sie sich am Mieterfest gerne unter die Leute mischt. «Ich bin heute Abend an das Fest gekommen, um meine Nachbarinnen und Nachbarn kennenzulernen. Um zusammen zu sein und die Gemeinschaft zu geniessen.»
Neue Gesichter, alte Bekannte
Auch Delia wohnt noch nicht lange am Kronenweg. Für sie ist ein Anlass wie dieser Neuland: «Ich habe das vorher gar nicht gekannt, dass man das so macht unter Nachbarn, und dass man so einen Gemeinschaftsanlass veranstaltet. Und darum finde ich es umso schöner und umso toller.»
Einen ganzen Rucksack an gemeinsamen Erlebnissen bringen Esther und Françoise mit. 36 beziehungsweise 25 Jahre wohnen die beiden bereits am Kronenweg. Sie essen regelmässig zusammen oder gehen gemeinsam wandern. Organisatorin ist meist Claudia, die heute leider nicht dabei ist. Findet sie eine Route für die nächste Tour, ist der Rest des Hauses via Gruppenchat schnell mobilisiert. Auch im Alltag unterstützen sich die Bewohnerinnen und Bewohner gegenseitig. «Wir können uns aufeinander verlassen», weiss Françoise. «Wenn jemand krank ist, übernehmen wir den Einkauf. Sind die Nachbarn in den Ferien, spritzen wir die Blumen und leeren den Briefkasten.» Esther resümiert treffend: «Wir haben einen tollen Zusammenhalt am Kronenweg.»
Direkt neben Françoise sitzt ihr Mann Bruno, der «erst» vor fünf Jahren zu ihr gezogen ist. Er formuliert es so: «Wir haben Schwein mit der Zusammensetzung der Mieter. Man ist füreinander da, das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.»
«Man ist füreinander da, das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.»
Die Bedeutung des Kronenwegs
Was Bruno hier spürt, bestätigt auch die Sozialkapitalstudie, die René Thoma an diesem Abend in seiner kurzen Rede erwähnt und die Fachhochschule Nordwestschweiz im Auftrag der wgn durchgeführt hat. «Der Kronenweg ist das Best-Practice-Beispiel für gelebte Nachbarschaft bei der wgn», sagt der Vorsitzende der Geschäftsleitung sichtlich stolz auf die Bewohnerschaft hier in Binningen.
Für Daniela Barragán hat das Fest noch einen weiteren Zweck. «Mit einem Anlass wie diesem bestärken wir bei unseren Mieterinnen und Mietern das Gefühl, was Genossenschaftsleben bedeutet – auch ohne Anteilschein und Mitbestimmung», betont die Leiterin Bewirtschaftung und Personal. «Und durch unsere Teilnahme am Fest spüren wir viel besser, was sie sich wünschen oder wo der Schuh drückt, als wenn wir nur am Schreibtisch sitzen und ihre Anliegen am Telefon entgegennehmen.» Aber auch hinter der Wahl des Caterings steckt ein spezifischer Gedanke. Wie meistens bei wgn-Festen sorgt schlipf@work für Essen und Getränke. Die soziale Institution beschäftigt Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben, und hilft ihnen, wieder Fuss zu fassen.
Wer das Fest möglich macht
Organisiert haben den Abend Julia Diehl und Robin Rothe vom Liegenschaftsteam der wgn. Ein grosses Lob richtet die Bewirtschafterin dabei an das wgn-Serviceteam, das Tische und Bänke jeweils einen Tag vorher aufstellt und danach wieder abholt: «Das klappt bei uns jedes Mal einwandfrei.»
Am Fest selbst fragt sie schon herum, wer Lust hätte, so einen Anlass einmal selbst zu organisieren. Einzelne Interessierte gibt es offenbar bereits. Ihre Idee: Dass die Bewohnerinnen und Bewohner im Herbst ein Fondue-Essen auf die Beine stellen. Die wgn würde dafür wie gewohnt die Bänke und Tische liefern, aber auch einen finanziellen Zustupf leisten.
Was Julia an Abenden wie diesem besonders viel bedeutet? «Wir merken, dass unsere Arbeit als Genossenschaft Wirkung zeigt. Manche Mieterinnen und Mieter sagen uns: Das wäre bei einer anderen Verwaltung nicht möglich gewesen. Diese Wertschätzung gibt auch uns ein gutes Gefühl.»
«Wir merken, dass unsere Arbeit als Genossenschaft Wirkung zeigt.»
Impressionen vom Mieterfest Kronenweg
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