Ein Haus voller Erinnerungen

wgn
Basel,
05.11.26
#Wohnen #Genossenschaftsleben #Nachhaltigkeit

Yvonne Meyerhofer und ihr Mann Willy wohnen bereits 37 Jahre an der Neumattstrasse in Bottmingen. Für uns hat die 76-Jährige ihr Fotoalbum geöffnet, alte Geschichten erzählt und geschildert, wie sie die Sanierung der Liegenschaft im Jahr 2024 erlebt haben.

«Was wir hier alles schon erlebt haben», staunt Yvonne Meyerhofer, während sie die alten Fotos durchgeht. Die vielen Gartenfeste, die Kinder, die den kleinen Hang hinter dem Haus mit dem Schlitten runtergesaust sind. «Wir mussten nirgendwo sonst hinfahren zum Schlitteln», erinnert sie sich. Dazu der Grill im Sommer, das gemeinsame Fondue mit den Bewohnern draussen im Winter. «Und einmal sagte meine Tochter, es sei ein Reh im Garten, das konnte ich fast nicht glauben, war aber so», lacht die 76-Jährige. Am 21. Januar 1989 seien sie hier eingezogen, sagt Yvonne Meyerhofer, als wäre es gestern gewesen. Zwei Kinder brachte die Familie mit, die jüngste Tochter kam hier an der Neumattstrasse in Bottmingen zur Welt. Heute lebt sie mit ihrem Mann Willy allein in der Wohnung. 

Nur wenige Jahre nach dem Einzug der Familie entschied sich der Besitzer, die Liegenschaft zu verkaufen. «Zu viele Reparaturen standen an, er wollte das Haus abstossen», erinnert sich Yvonne Meyerhofer. «Geplant waren Eigentumswohnungen, da machten wir uns schon Sorgen, ob wir nun ausziehen müssen.» Glücklicherweise kam es anders. Ihr Nachbar Walti sei über Beziehungen mit Theo Meyer, dem damaligen Präsidenten der wgn, in Kontakt gekommen und habe ihm die Situation erklärt. «Daraufhin hat sich die wgn überlegt, die Liegenschaft zu erwerben. Und dann haben sie uns gekauft», schildert Yvonne Meyerhofer dankbar diese Zeit. Den Zuschlag erhielt die wgn 1992. Sogleich kümmerte sich das Team um die wichtigsten Reparaturen. Die Steigleitungen der Wasserversorgung wurden gereinigt, das Haus erhielt neue Fenster – und einen neuen Anstrich. «Es durfte zwar nicht gerade Violett sein, aber die Farbe der Fassade durften wir selbst wählen», erinnert sie sich. «Also sind wir mit dem Velo durch Bottmingen und Oberwil gefahren, um uns inspirieren zu lassen.» Schlussendlich entschieden sie sich für ein dezentes Beige. «Die Zusammenarbeit mit der wgn war von Anfang an sehr schön.»

«Das Haus bedeutet für mich Geborgenheit.»

Yvonne Meyerhofer

Einmal Bottmingen, immer Bottmingen

Vor rund zehn Jahren ist auch Meyerhofers Sohn zurück ins Haus gezogen. «Das war ein glücklicher Zufall», sagt die 76-Jährige. «Die Vormieter, die ausgezogen sind, fragten mich, ob vielleicht mein Sohn die Wohnung möchte. Ich habe ihn gleich gefragt und er hat zugesagt.» Er und seine Frau wohnten nur ein paar Strassen weiter. «Kinder, die in Bottmingen aufwachsen, bleiben oft in Bottmingen», sagt Yvonne Meyerhofer und schmunzelt. Heute hat ihr Sohn selbst ein Kind. Die Grossmutter hütet seine Tochter bei Bedarf und umgekehrt erhalten auch sie und ihr Mann Unterstützung der jungen Familie. «Jeden Abend kommt unser Sohn zu uns und fragt, ob er etwas helfen kann.» Er kümmert sich um technische Dinge oder bringt das Altpapier für die Eltern raus. «Es ist mega toll, dass wir wieder im gleichen Haus wohnen.» Für die sechsfache Grossmutter ist es auch schön zu sehen, wenn die Enkel wieder dort spielen, wo einst ihre Kinder ihre Freizeit verbracht hatten. Im Garten steht seit der Sanierung einen Sitzplatz mit Schaukel. 

Bis das ganze Haus in neuem Glanz erstrahlte, brauchte es Geduld. 2024 begann die Gesamtsanierung. Zum Auftakt versammelte die wgn alle Mieterinnen und Mieter im Restaurant Sonne und erklärte gemeinsam mit Architekturbüro und Bauleitung, wie die Arbeiten ablaufen. Weil im Dach zwei zusätzliche Wohnungen entstanden, mussten zuerst Estrich und Keller leer sein. «Man kann sich vorstellen, was sich in über 30 Jahren alles ansammelt.» Eine Mulde nach der anderen fuhr vor, und die Hausgemeinschaft warf hinein, was ausgedient hatte. «Auch die Nachbarn hatten ihren Plausch und schauten, was sie davon noch gebrauchen konnten.»

Temporärer Umzug nach Oberwil

In den Küchen stiessen die Fachleute auf Asbest, deshalb mussten alle ihr Zuhause für die Bauarbeiten vorübergehend verlassen. Zuerst zogen die Leute aus den Dreizimmerwohnungen in Ersatzwohnungen der wgn – entweder nach Binningen oder Oberwil. Kaum war ihr Teil saniert, kehrten sie zurück, und die Vierzimmerwohnungen kamen an die Reihe. Nun ging es auch für das Ehepaar Meyerhofer in die Nachbargemeinde. Den ganzen Umzug übernahm ein Zügelunternehmen. Es lieferte das Verpackungsmaterial, brachte das Nötigste wie Bett, Tisch und Sofa in die Ersatzwohnung und lagerte alles Übrige ein. Selber zügeln mussten die beiden nichts. «Das war keine grosse Sache, wir hatten es sogar lustig.» Eine Familie mit Baby wollte sich Lärm und Staub nicht zumuten, eine weitere Partei wanderte ohnehin aus. Alle anderen wohnen heute wieder hier. Nach 17 Monaten war alles fertig. «Jedes Drähtchen, jede Leitung ist neu», sagt Yvonne Meyerhofer und fügt etwas ernster an: «Wir sind uns immer noch am Erholen.» Zum Abschluss gab es ein Mieterfest. «Es war schön, die wgn war sehr generös.»

Die Neuzugezogenen würden sich gern besser kennenlernen, doch das Organisieren von Gartenfesten überlässt die 76-Jährige heute lieber anderen. «Ich habe einfach keinen Mumm mehr dafür.» Die erste Anlaufstelle im Haus ist und bleibt sie trotzdem, vielleicht auch wegen ihrer Jahre als Hauswartin. Etwa wenn der Waschplan nicht aufgeht und jemand einen anderen Tag braucht. «Da suchen sie bei mir Rat», sagt Yvonne Meyerhofer und schmunzelt.

Wegzuziehen kam für sie in all den Jahren nie in Frage. «Das Haus bedeutet für mich Geborgenheit.» Auch heute geniesst Yvonne Meyerhofer das Leben an der Neumattstrasse. Und blättert ab und zu im Fotoalbum, in dem so viele Erinnerungen stecken.

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